Berliner Mauer-Radweg - Bikeline Radtourenbuch

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Beschreibung

Eine Reise durch die Geschichte Berlins
Esterbauer Verlag
Bikeline Radtourenbuch
1:20000
212 Seiten
Länge: 160 km
Stadtpläne, Übernachtungsverzeichnis, Höhenprofil, Spiralbindung
ISBN: 9783850009928
10. Auflage 2022

Wo stand eigentlich die Mauer?

„Wo stand eigentlich die Mauer?“, fragen heute viele Berlin-Touristen. Der Mauerverlauf ist nur an wenigen Stellen dokumentiert, weil in der Wendezeit nach dem Motto: „Die Mauer muss weg“ fast alle authentischen Zeugnisse des Grenzverlaufs beseitigt wurden. Heute wird eingestanden, dass das ein Fehler war. Die Stadtentwicklung ist in den Jahren nach der Wende in einem solch rasanten Tempo voran­geschritten, dass sich selbst viele Berlinerinnen und Berliner nur noch schwer an den genauen Verlauf der Mauer erinnern können. Für Jugendliche sind diese Zeiten schon Geschichte. Umso notwendiger ist es, für zukünftige Generationen die 28jährige Spaltung im Stadtbild erkennbar zu machen. Der Verlauf der 40 Kilometer langen innerstädtischen Grenze ist durch eine Doppelreihe Kopfsteinpflaster mit der Inschrift: „Berliner Mauer 1961–1989“ auf der West-Berliner Seite markiert. Die sogenannte „Hinterlandmauer“ nach Ost-Berlin ist nur am Leipziger Platz mit einem dreiteiligen Mauersegment und durch die doppelte Kopfsteinpflasterreihe auf der Grünfläche zusätzlich sichtbar gemacht worden. Insgesamt war die 3,60 Meter hohe Mauer um West-Berlin 160 Kilometer lang. Sowohl ihr Aussehen wie auch ihre Lage änderten sich im Laufe der Zeit – eine Folge von mehrfachem Gebietsaustausch. Der Stacheldraht wurde Ende der 1970er/Anfang der 1980er Jahre durch vorgefertigte Mauersegmente und auf einigen kurzen Abschnitten durch Metallgitterzäune ersetzt. Neben der „äußeren Grenzmauer“ Richtung Westen gab es schon bald eine „innere Grenzmauer“ Richtung Osten. Zwischen beiden lag der so­genannte Todesstreifen mit dem „Kolonnenweg“, auf dem die DDRGrenztruppen patrouillierten. Auf DDRSeite durften im angrenzenden Sperrgebiet nur ausgewählte Personen leben. Freunde und Verwandte mussten vorher angemeldet werden, sie benötigten zum Besuch einen Passierschein. Mehr als 300 Wachtürme, taghelle Beleuchtung, Signal- und Alarmzäune sowie Hundelaufgebiete und Panzersperren sollten die Flucht nach West-Berlin verhindern. Bis zum Mauerbau waren etwa vier Millionen Menschen aus der DDR geflüchtet. Danach versuchten insbesondere junge Menschen immer wieder, die Sperranlagen zu überwinden. An der Berliner Mauer registrierte die West-Berliner Polizei zwischen 1961 und 1989 insgesamt 5.075 erfolgreiche Fluchten, davon 574 Fahnenfluchten. Nach aktuellen Forschungen sind mehr als 130 Todesopfer an der Berliner Mauer zu beklagen. Von den 80 nach dem Ende der DDR ermittelten und vor Gericht gestellten Todes­schützen bekamen 77 eine Bewährungsstrafe. Am 24. August 1961 wurde der 24jährige Günter Litfin erschossen, als er durch den Humboldthafen an das westliche Ufer schwimmen wollte. Eine Gedenktafel an der Sandkrugbrücke erinnert an dieses erste Todesopfer nach dem Mauerbau. Das letzte Maueropfer war der 20jährige Chris Gueffroy, der am 5. Februar 1989 in einem Kugelhagel getötet wurde. Er hatte versucht, von Treptow aus durch den Britzer Verbindungskanal nach Neukölln zu schwimmen. Am 21. Juni 2003, seinem 35. Geburtstag, wurde an diesem Ort eine Gedenkstele errichtet. Die Schicksale der getöteten Flüchtlinge sind unter www.chronik-der-mauer.de nach aktuellem Kenntnisstand dargestellt.

Zollweg und Kolonnenweg

Entlang der Mauer gab es auf der West-Berliner Seite den nur an wenigen Stellen unterbrochenen sogenannten „Zollweg“, der für die Berliner Polizei und die alliierten Kontrollfahrzeuge angelegt worden war. Er wurde und wird auch heute noch von Erholung suchenden Berlinerinnen und Berlinern als Rad- und Wanderweg genutzt. Unmittelbar nach dem Fall der Mauer hatten viele Umwelt- und Verkehrsinitiativen gefordert, den ehemaligen Mauerstreifen als Fahrrad-Rundweg auszubauen. Zur Unterstützung dieser Forderung versahen sie den – östlichen – Kolonnenweg an vielen Stellen mit einem Fahrrad-Piktogramm. Leider haben DDR-Grenzpolizisten, die bis zum 2. Oktober 1990 noch zuständig waren, an vielen Stellen die Piktogramme entfernt und den Asphaltbelag zerstört. Danach versäumten die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg, das Wegerecht zu sichern. Deshalb sind heute sowohl der Kolonnenweg wie auch der Zollweg nicht mehr vollständig erhalten. So unterbrechen nicht nur die Trassen der Dres-dener Bahn, sondern auch nach der Wende verkaufte und inzwischen bebaute Grundstücke den Mauerweg. Trotzdem kann man entlang des gesamten Grenzverlaufs radeln. Der „Berliner Mauer-Radweg“ ist eine abwechslungsreiche und geschichtsträchtige Route. Er führt an wichtigen und bekannten Stadtplätzen vorbei. Namen stehen erinnernd für Ereignisse: Checkpoint Charlie, Potsdamer Platz, Invalidenfriedhof oder Bernauer Straße. Und auch die am 9. November 1989 berühmt gewordene „Bösebrücke“ in der Bornholmer Straße, auf der die ersten Grenzgänger mit Jubel und Sekt begrüßt wurden, liegt auf der Route. Sehenswert sind die legendäre „Oberbaumbrücke“, die „East Side Gallery“ oder die verbliebenen Mauersegmente in der Niederkirchnerstraße. Interessant ist auch das „Parlament der Bäume gegen Krieg und Gewalt“ von Ben Wagin, dessen kurz nach dem Fall der Mauer geschaffenes Kunstwerk in die Bundestags-Neubauten auf dem östlichen Spreeufer integriert wurde.

Erinnerung an die Mauer

Der Umgang mit der Mauer bewegte nach der Wende die Gemüter. Die meisten wollten, dass sie möglichst schnell aus dem Stadtbild verschwindet. Nur eine kleine Minderheit dachte „über den Tag hinaus“ (Willy Brandt) und setzte sich für den Erhalt authentischer Teile von Mauer und Grenzstreifen ein. Es waren Einzelpersonen, Vertreter der Denkmalschutzbehörden, Bürgerinitiativen, die verhinderten, dass überall Gras über die Geschichte wächst. Zu ihnen gehörte Willy Brandt, Berlins Regierender Bürgermeister zur Zeit des Mauerbaus (1957–1966). Der erste sozialdemokratische Bundeskanzler der Nachkriegszeit (1969–1974), der für seine Entspannungs- und Ostpolitik am 10.12.1971 mit dem Friedensnobelpreis geehrt wurde, regte am 10. November 1989 vor dem Schöneberger Rathaus an, „ein Stück von jenem scheußlichen Bauwerk (...) als Erinnerung an ein historisches Monstrum stehen (zu) lassen. So wie wir seinerzeit nach heftigen Diskussionen in unserer Stadt uns bewusst dafür entschieden haben, die Ruinen der Gedächtniskirche stehen zu lassen“. Auch Michaele Schreyer (Grüne), von 1989–1990 Senatorin für Stadtentwicklung und Umweltschutz und spätere EU-Kommissarin, setzte sich über den damaligen Zeitgeist hinweg und stellte die Mauer in der Niederkirchnerstraße unter Denkmalschutz. Damals wurde sie heftig angefeindet. Heute sind alle dankbar für die authentischen Mauerreste gerade an dieser Stelle. Auch das Mauermuseum in der Bernauer Straße konnte vom damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) erst nach heftigen Diskussionen durchgesetzt werden – und zwar gegen den erbitterten Widerstand seiner Parteifreunde im Berliner Senat, die dort lieber eine sechsspurige Schnellstraße bauen wollten. Man muss Erinnerung sichtbar machen! Wir wissen, dass es zwischen West und Ost noch keine gemeinsame Erinnerung gibt. Deutsche im Osten und Deutsche im Westen erinnern die Grenze auf unterschiedliche Art und Weise, auch weil sie von der offiziellen Politik in beiden deutschen Staaten völlig konträr interpretiert worden war. Die SED hatte sie zum „antifaschistischen Schutzwall“ verklärt. Für den Westen war sie das Symbol der Unfreiheit im realen Sozialismus. Um durch örtliche Markierungen die Erinnerung an die ehemaligen Grenzübergänge – 1961 gab es insgesamt acht – auch im Stadtbild zu bewahren, wurde im März 1996 der künstlerische Wettbewerb „Übergänge“ ausgelobt. Als Ergänzung zur Markierung des ehemaligen Mauerverlaufs und zur künstlerischen Gestaltung der Grenzübergänge wurde darüber hinaus die „Geschichtsmeile Berliner Mauer“ ins Leben gerufen. Die viersprachige Dauerausstellung (deutsch, englisch, französisch, russisch) informiert im Stadtraum mit etwa 30 Tafeln über die Geschichte von Teilung, Mauerbau und Maueröffnung. Mit Fotografien und kurzen Texten werden Ereignisse geschildert, die sich am jeweiligen Standort zugetragen haben. An der Bernauer Straße zum Beispiel wird an die Flucht des Volkspolizisten Conrad Schumann erinnert, der dort am 15. August 1961 über die Stacheldrahtrolle sprang. Der Schnappschuss des Fotografen Peter Leibing ging um die Welt. Hingewiesen wird auch auf den Fluchtversuch der 58jährigen Ida Siekmann, die am 22. August 1961 aus ihrem Fenster im dritten Stock des Hauses Bernauer Straße 48 auf den westlichen Bürgersteig sprang und sich tödlich verletzte. Ins Gedächtnis gerufen werden auch die erfolgreichen Tunnelfluchten. Die erste Tafel wurde am 9. November 1999, dem 10. Jahrestag der Maueröffnung, aufgestellt. Die „Geschichtsmeile Berliner Mauer“ wird mit insgesamt 17 Informationstafeln im Außenbereich des Mauerwegs fortgesetzt. Mit historischen Fotos und zweisprachigen Texten (deutsch, englisch) wird der Besucher auf Orte hingewiesen, die durch ihre ehemalige Nutzung, ihre frühere bauliche Ausstattung oder durch besondere Ereignisse die unterschiedlichen Aspekte der Teilungsgeschichte exemplarisch erläutern. Die Stelen – wie auch die Schilder „Berliner Mauerweg“ – sind mit einer Höhe von 3,60 Meter genauso hoch wie einst die Mauer.

160 Kilometer – Innenstadt und Landidylle

Wer von der Berliner Mauer spricht, meint in der Regel den innerstädtischen Grenzstreifen zwischen Ost und West-Berlin. Es gibt aber auch noch die etwa 120 Kilometer lange Grenze zwischen West-Berlin und Brandenburg, die man abradeln kann. Weit ab von der pulsierenden Innenstadt befindet man sich in einer ruhigen, landschaftlich reizvollen Idylle. Man passiert zum Beispiel den „Eiskeller“ in Spandau, ein Gebiet, das fast vollständig von der Mauer umgeben war. Oder den ehemaligen Grenzübergang in Staaken. Geschichtsträchtig ist auch die Glienicker Brücke, auf der die Amerikaner und die Sowjets einst ihre Spione austauschten. Und natürlich die größte Grenzanlage (am Autobahn-Übergang) in Dreilinden, die unter Denkmalschutz gestellt wurde. Verdienste für den „Berliner Mauer-Radweg“ hat sich der rot-grüne Senat erworben, der vom 16. Juni 2001 bis zum 17. Januar 2002 die Stadt regierte. Bereits am 10. Mai 2001 hatte das Abgeordnetenhaus von Berlin dem von Michael Cramer initiierten Antrag der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen zugestimmt und damit den Senat aufgefordert, entlang der ehemaligen Grenze einen Rad- und Wanderweg auszuweisen. Im Sommer 2001 beteiligten sich an den vom Autor durchgeführten „Mauerstreifzügen“ etwa 1.000 Menschen, und auch wegen des positiven Medienechos darüber beschloss der Senat anlässlich des 40. Jahrestags des Mauerbaus, nahezu alle noch verbliebenen Mauerreste unter Denkmalschutz zu stellen, den gesamten Verlauf der Berliner Mauer zu kennzeichnen und die Route fahrradfreundlich zu gestalten.

Der Berliner Mauer-Radweg

Der Berliner Mauer-Radweg wurde in den vergangenen Jahren nicht nur fahrradfreundlich gestaltet und ausgeschildert, wobei sich die Markierungen exakt auf der Mauerhöhe von 3,60 Meter befinden. Er entwickelte sich auch zum Vorbild für den „Iron Curtain Trail“ durch Deutschland und Europa. Er ist eine reizvolle Kombination aus Geschichtswerkstatt und Fahrradtourismus, aus Freizeit und Kultur. Vor allem der innerstädtische Abschnitt zwischen Bernauer Straße und Oberbaumbrücke ist so informativ und geschichtsträchtig, dass er nicht nur zum Radeln einlädt, sondern auch zu einem historisch-politischen Spaziergang. Der Berliner Mauer-Radweg auf dem Gebiet des ehemaligen Grenzstreifens ist eine Erinnerung an die Spaltung der Stadt und deren Wiedervereinigung. Er wurde Bestandteil des Tourismus-Programms von Berlin und ist das erste Projekt, das den sanften mit dem Stadttourismus verbindet. Der „Berliner Mauer-Radweg“ ist in insgesamt 19 Etappen gegliedert. Anfang und Ende liegen immer an einem Bahnhof. Bis auf den UBahnhof Potsdamer Platz und den SBahnhof Warschauer Straße sind alle Bahnhöfe behindertengerecht zugänglich. Die Fahrradmitnahme ist in allen Regionalzügen und auch in den S, U und Straßenbahnen uneingeschränkt möglich. Die Abfahrtzeiten der Züge – und auch die der BVGFähre von Wannsee nach Kladow – kann man in Berlin zum Tarif eines Ortsgesprächs beim Call-Center der BVG unter 030/19449 rund um die Uhr erfragen.

Tourenplanung

Länge

Der Mauer-Radweg ist rund 160 Kilometer lang. Die hier beschriebenen Routen verlaufen von Bahnstation zu Bahnstation, weswegen sich die Summe der Kilometerangaben von der offiziellen Länge unterscheiden.

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